Was hat die Kirche mit der Kunst zu tun?
Was hat die Kirche mit der Kunst zu tun?
„Du sollst dir kein Bildnis machen!“ heißt es in den 10 Geboten. Schon in der Wüste hatten die Israeliten Gott in einem goldenen Stierbild darstellen wollen. Als Mose den Tanz um den goldenen Jungstier entdeckt, packt ihn der Zorn. Das Bild muss zerstört werden, das Gold eingeschmolzen, die Asche zerstreut. Denn eine bildliche Darstellung Gottes war verboten. Sie hätte der Unsichtbarkeit und Unnahbarkeit Gottes widersprochen.
Dabei haben Religion und Kunst viel miteinander zu tun. Die berühmtesten Kunstwerke sind religiöse Darstellungen. Kunst ist nicht bloß Weltverschönerung. Kunst hat eine Botschaft. Kunst möchte Unsichtbares sichtbar werden lassen. Sie möchte ausdrücken, was tiefer geht als die rationale Welt. Und gerade darum hat sie eine enge Beziehung zur Religion.
Seit der Zeit des Mose gibt es ein Ringen um die Frage nach religiöser Kunst. Immer wieder kam es zu Auseinandersetzungen darüber, welche Formen religiöser Darstellung gestattet sind. Im Bilderstreit der Ostkirche ging es um die Frage der Ikonenverehrung. Nicht das Bild, sondern die darauf dargestellte Person sollte verehrt werden, lautete die Kompromissformel. In der Reformationszeit brach in Deutschland der Bildersturm los. Wertvolle Statuen, Altäre und Tafelbilder gingen dabei zu Bruch. Auch hier in Esslingen hat der Bildersturm erhebliche Zerstörungen angerichtet. Motiviert war er ebenfalls vom biblischen Bilderverbot.
Als Martin Luther die Zerstörungswut sah, die sich im Bildersturm entlud, nahm er das Bilderverbot aus den 10 Geboten heraus und teilte im kleinen Katechismus das letzte Gebot auf, um wieder auf die Zahl 10 zu kommen. So wollte er künftigen Zerstörungen vorbeugen.
Gottes Wesen ist unergründbar, das ist die Aussage des Bilderverbotes. Doch gerade dazu kann religiöse Kunst einen wertvollen Beitrag leisten, indem sie aufmerksam macht und Menschen heranführt an das Geheimnis Gottes. Indem sie die Sinne schärft dafür, Gottes Wirken in unserer Welt wahrzunehmen. Am 1. Advent werden die Kunstwerke von Rita Götz im Gemeindehaus ausgestellt. In vielen lässt sich ein Hinweis auf die verborgene Wirklichkeit Gottes entdecken.
Michael Gese
Aus dem Gemeindebrief Oktober / November 2011