Geistliches Wort

Pfarrer Michael Gese

Pfarrer Michael Gese

Liebe Leserinnen und Leser,
 
es ist noch früh am Morgen. Nur langsam weicht die Dunkelheit der Nacht dem anbrechenden Morgen. Drei Frauen sind unterwegs. Tief betrübt sind sie über den Tod ihres geliebten Freundes Jesus. Sein Grab wollen sie aufsuchen, um seinen Leichnam zu salben.
Das Herz ist ihnen schwer, schwer wie ein Stein. Ihre Gedanken kreisen bang um die Frage: „Wer wälzt uns den Stein von der Tür des Grabes?“ Sie selbst werden es wohl kaum schaffen, den riesigen Fels wegzuräumen. Doch wie sie ans Grab kommen, werden sie gewahr, dass der Stein fortgewälzt ist. Das Grab ist leer. Die drei Frauen können es nicht begreifen. Auch nicht die Botschaft des Engels, der zu ihnen spricht: „Jesus, den ihr sucht, ist nicht hier. Er ist auferstanden.“ Sein Platz ist nicht im Tod, sondern im Leben.
Erst viel später begreifen sie es. Da löst sich auch der Stein in der Brust. Ihr begrenztes Denken weitet sich. Jesus hat den Tod überwunden und damit auch alles, was tot ist in unserem Leben. Das ist das Herzstück der Osterbotschaft: Gott hat Macht über den Tod hinaus. Seine Möglichkeiten sind größer als wir ahnen. Der Stein ist weg. Der Stein, der den Weg zum Leben versperrt. Gott hat ihn beiseite geräumt.
Die Osterbotschaft gilt auch für uns: Wie ist das mit den Steinen, die unsere Hoffnung blockieren, um die unsere Gedanken bange kreisen? Die Steine der Trauer, die Steine der Beziehungslosigkeit, der Angst, der Sorge und der Begrenztheit unseres Denkens? Wie oft kann man im eigenen Leben die Erfahrung machen, dass etwas, das auf unserer Seele wie ein schwerer Stein lastete, weggeräumt ist. Manchmal auf eine Art, wie wir sie nie erwartet hätten.
Ostern ist das Fest des neuen Lebens. Ostern ist das Fest der Überwindung: aus Totem bricht neues Leben hervor. Spuren davon lassen sich in jedem Leben finden. Das schenkt Hoffnung, Mut und Zuversicht. Weil Jesus nicht im Tod geblieben ist, darum hat auch unser Leben teil an der Auferstehungswirklichkeit Gottes. Lothar Zenetti hat es so ausgedrückt:
„Mir ist ein Stein vom Herzen genommen: meine Hoffnung, die ich begrub, ist auferstanden, wie er gesagt hat. Er lebt, er lebt, er geht mir voraus.“

Ein gesegnetes Osterfest wünscht Ihnen
 
 
«Ihr
Michael Gese
 
Aus dem Gemeindebrief April / Mai 2012