
Josef Birk
Allein leben, das hat er sich dann doch nicht vorstellen können. Also konnte Josef Birk nicht Priester werden. Kurz hat er über ein Leben in einer Ordensgemeinschaft nachgedacht. Am Ende, nach dem Studium der katholischen Theologie, tritt Birk tatsächlich in kirchlichen Dienst. Er gehört zu den ersten Pastoralreferenten in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Ökumenische Gottesdienste in RSKN sind ohne ihn kaum denkbar. Noch, denn Josef Birk geht Ende Juni in den Ruhestand.
Ein guter Pfarrer, der doch keiner ist
Anfangs wussten auch Katholiken mit einem Pastoralreferenten nichts anzufangen. Ein Mesner, erzählt Josef Birk, wollte dem jungen Mann etwas Freundliches sagen und bot dem Neuen an, er könne ja erst mal den Rasen mähen. Was den Sohn eines Landwirts sicher nicht geschreckt hätte. Aber eigentlich geht es in dem Beruf um anderes. In St. Paul und in St. Katharina ist Birk der Seelsorger vor Ort, der auch predigt. „Ich erschreck nicht mehr, wenn die Leute Herr Pfarrer zu mir sagen“, lacht Birk.
Josef Birk ist katholisch, mit einer evangelischen Frau verheiratet. Konfessionelle Abgrenzungen sind ihm ein Graus. Die ökumenische Zusammenarbeit zwischen Evangelischen und Katholischen in RSKN ist ihm „eine Freude“. Und die merkt man ihm an, wenn er gemeinsam mit anderen evangelischen und katholischen Christen die „Sulzgrieser Gespräche“ vorbereitet. Wahrscheinlich wird es ihm dann doch schwer fallen, gerade diese Arbeit aufzugeben. Denn jetzt steht die Übergabe seiner vielen Aufgaben in Ökumene und katholischer Gemeinde an. Niemand soll sagen, der Birk könne nicht loslassen.
Im Sommer ist also Schluss mit Josef Birk als Hauptamtlichem in St. Katharina und dem Partner der evangelischen Gemeinde. Dann wird er wieder mehr mit seinen Händen schaffen. Schreinern oder auf dem Hof mitarbeiten, den sein Bruder übernommen hat.
Ein Wunsch aber bleibt. Einmal im Monat gibt es in St. Katarina nämlich eine Wort-Gottes-Feier, also einen Gottesdienst ganz ohne Pfarrer oder Theologen. Warum, fragt Josef Birk, besuchen die katholischen Kirchgänger an einem solchen Sonntag nicht den evangelischen Gottesdienst? In der Ökumene ist vieles möglich. Bis hin zur ökumenischen Gastfreundschaft beim Abendmahl, wie sie der katholische Bischof von Straßburg in seiner Diözese zur Regel gemacht hat. Josef Birk: „Wenn wir wissen, was uns gemeinsam ist, dann bleibt nicht viel, was uns trennt.“
Uwe Mönninghoff
Aus dem Gemeindebrief April / Mai 2012